Konfiguratoren für Wohnmobilhändler: was die Branche besonders macht

Reihe weisser Reisemobile auf einem Haendlerhof zur blauen Stunde.

Im Reisemobilhandel entscheidet nicht nur der Preis über eine Konfiguration, sondern das zulässige Gesamtgewicht. Jede Option wiegt, und die Summe muss zur verbleibenden Nutzlast passen, gerade bei Führerscheinklassen mit Gewichtsgrenzen. Dazu kommen umfangreiche Ausschlussregeln der Hersteller, die sich jedes Modelljahr ändern, Lieferzeiten von vielen Monaten mit entsprechender Anzahlung und ein Gebrauchtbestand, der parallel zum Neufahrzeuggeschäft läuft. Ein Konfigurator, der diese vier Punkte nicht abbildet, erzeugt Konfigurationen, die so nicht bestellbar sind, und damit Nacharbeit statt Entlastung. Ein aus einer anderen Branche übernommenes System stößt hier regelmäßig an Grenzen.

Gewicht: die zweite Währung neben dem Preis

Im Reisemobilhandel hat jede Option zwei Preise: einen in Euro und einen in Kilogramm. Markise, Solaranlage, zweite Batterie, Fahrradträger und Hubbett summieren sich, und am Ende steht die Frage, ob das Fahrzeug in seiner Klasse noch zulässig bewegt werden darf.

Für den Konfigurator heißt das: Er muss mitrechnen und anzeigen, wie viel Nutzlast nach der gewählten Ausstattung übrig bleibt. Das ist keine Spielerei, sondern der Punkt, an dem viele Kaufentscheidungen tatsächlich hängen, gerade bei Führerscheinklassen mit Gewichtsgrenzen.

Ob ein Konfigurator bei Überschreitung blockieren oder nur warnen sollte, ist eine Abwägung. Blockieren verhindert unmögliche Bestellungen, warnt aber auch Kunden ab, die eine Auflastung in Kauf nehmen würden. Warnen lässt die Entscheidung beim Kunden und beim Verkäufer.

Ausschlussregeln der Hersteller

Reisemobilhersteller arbeiten mit umfangreichen Matrizen, welche Optionen sich gegenseitig ausschließen, welche einander bedingen und welche nur in bestimmten Baureihen verfügbar sind. Diese Regeln sind der eigentliche Kern eines Konfigurators für diese Branche.

Sie ändern sich mit jedem Modelljahr. Wer sie einmal einpflegt und danach nicht nachzieht, hat nach einem Jahr einen Konfigurator, der Kombinationen anbietet, die der Hersteller nicht mehr baut. Der Kunde merkt das erst, wenn Sie sein Angebot korrigieren müssen.

Ein Sonderfall verdient Aufmerksamkeit: Optionen, die ein Serienteil ersetzen. Wählt der Kunde eine stärkere Heizung, entfällt die serienmäßige, und weder der Preis noch das Gewicht dürfen doppelt gezählt werden. Solche Ersetzungen sind in den Herstellerlisten nicht immer als solche gekennzeichnet und gehören beim Aufbau der Regeln gezielt geprüft. Fehler an dieser Stelle fallen zuverlässig erst im Angebot auf, wenn eine Summe nicht stimmt.

Lange Lieferzeiten verändern das Verkaufsgespräch

Zwischen Bestellung und Auslieferung liegen im Reisemobilbau regelmäßig viele Monate. Das hat zwei Folgen für den digitalen Verkaufsprozess.

Erstens ist die Anzahlung der Regelfall, und damit gehört die korrekte Abrechnung von Anzahlung und Schlussrechnung zum Ablauf. Zweitens braucht der Kunde eine Perspektive: Ein Konfigurator, der nur einen Preis zeigt, aber keine Aussage zum Zeitpunkt macht, lässt die wichtigste Frage offen.

Praktisch heißt das auch, dass Konfigurationen gespeichert und später fortgesetzt werden müssen. Ein Fahrzeug in dieser Preisklasse kauft niemand in einer einzigen Sitzung am Küchentisch.

Der Gebrauchtbestand läuft parallel

Ein Teil der Interessenten will nicht neun Monate warten. Für sie ist der sofort verfügbare Gebrauchte oder das Lagerfahrzeug die Alternative, und diese Alternative steht meist in einem ganz anderen System: im Fahrzeugportal.

Ein Konfigurator, der den eigenen Bestand nicht kennt, schickt diese Kunden ins Leere. Sinnvoll ist die Verbindung beider Wege: Wer konfiguriert und dabei feststellt, dass die Lieferzeit zu lang ist, sollte im selben Schritt sehen, was auf dem Hof steht und in die Nähe seiner Wunschkonfiguration kommt.

Technisch läuft das über die Schnittstelle des Fahrzeugportals, in dem Ihr Bestand ohnehin gepflegt wird. Der Konfigurator zieht die verfügbaren Fahrzeuge und zeigt sie als sofort lieferbare Alternative an. Wichtig ist dabei, dass die Pflege an einer Stelle bleibt: Wer Bestände doppelt pflegen muss, lässt es nach wenigen Wochen bleiben, und dann steht im Konfigurator ein Fahrzeug, das längst verkauft ist.

Der Konfigurator arbeitet nachts, wenn Ihre Kunden planen

Reisemobile werden anders gekauft als Alltagsfahrzeuge. Die Entscheidung fällt selten allein, meist sitzen zwei Menschen davor, und sie tun es abends oder am Wochenende, wenn Zeit dafür ist.

Genau dann ist im Autohaus niemand erreichbar. Ein Konfigurator, der zu diesen Zeiten Preise rechnet und Fragen beantwortet, füllt die Lücke, in der Interessenten sonst zum Wettbewerber weiterziehen. Am nächsten Morgen liegt die fertige Konfiguration vor, und das erste Gespräch beginnt nicht bei null.

Das verändert auch die Rolle des Verkäufers. Statt Ausstattungslisten durchzugehen, spricht er mit jemandem, der bereits eine Vorstellung hat, und kann sich auf das konzentrieren, was ein Konfigurator nicht kann: Vertrauen aufbauen, Alternativen einordnen, den Abschluss machen.

Was die Konfiguration für den Verkauf wert ist

Eine abgeschickte Konfiguration ist mehr als eine Kontaktanfrage. Sie enthält die Modellwahl, die gewählten Optionen, den errechneten Preis und damit ein sehr genaues Bild davon, was dieser Kunde sucht und was er auszugeben bereit ist.

Für das Verkaufsgespräch heißt das, dass die üblichen Eröffnungsfragen entfallen. Für den Betrieb heißt es, dass sich über die Zeit ein Muster zeigt: welche Baureihen häufig verglichen werden, welche Optionen fast immer gewählt und welche nie angefasst werden.

Aus diesem Muster lassen sich Entscheidungen ableiten, die sonst auf Gefühl beruhen. Welches Fahrzeug stellen Sie auf den Hof, welche Ausstattungslinie bestellen Sie vor, welches Zubehör lohnt sich am Lager. Diese Auswertung ist ein Nebenprodukt und für viele Händler wertvoller als erwartet.

Was das für die Auswahl eines Systems bedeutet

Aus den vier Punkten ergeben sich Fragen, die man einem Anbieter vorab stellen sollte. Ein System, das aus einer anderen Branche stammt, beantwortet sie oft mit Anpassungsaufwand, der später als Nachtrag auf der Rechnung steht.

  • · Rechnet das System Gewichte mit und zeigt die verbleibende Nutzlast an?
  • · Wie werden die Ausschlussmatrizen des Herstellers gepflegt, und von wem?
  • · Kann der Kunde seine Konfiguration speichern und später fortsetzen?
  • · Lässt sich der Gebrauchtbestand aus dem Fahrzeugportal einbinden?
  • · Werden Anzahlung und Schlussrechnung korrekt gegeneinander abgerechnet?

Häufige Fragen

Muss ein Konfigurator für Reisemobile Gewichte abbilden?

Für ein belastbares Ergebnis ja. Ohne Gewichtsrechnung entstehen Konfigurationen, die zwar bezahlbar, aber nicht zulässig bewegbar sind. Spätestens beim Angebot fällt das auf und muss korrigiert werden.

Kann ich mehrere Marken in einem Konfigurator abbilden?

Technisch ja. Der Aufwand steigt mit jeder Marke, weil jede eigene Optionslisten, Preise und Ausschlussregeln mitbringt. Sinnvoll ist, mit der Marke zu starten, die den größten Anteil am Neufahrzeuggeschäft hat.

Was ist mit Fahrzeugen, die schon auf dem Hof stehen?

Die laufen über den Bestand und nicht über die Konfiguration. Sinnvoll ist eine Verbindung: Der Konfigurator zeigt an, wenn ein verfügbares Fahrzeug in die Nähe der gewünschten Ausstattung kommt und sofort lieferbar wäre.

Wie oft müssen die Daten aktualisiert werden?

Mindestens einmal jährlich zum Modelljahreswechsel, dazu bei unterjährigen Preisanpassungen des Herstellers. Klären Sie vor dem Kauf, ob diese Pflege im Preis enthalten ist oder nach Aufwand berechnet wird.

Soll der Konfigurator bei Überschreitung der Zuladung blockieren?

Das ist eine Abwägung. Blockieren verhindert unmögliche Bestellungen, schreckt aber Kunden ab, die eine Auflastung in Kauf nehmen würden. Warnen lässt die Entscheidung beim Kunden und macht sie im Verkaufsgespräch besprechbar. In der Praxis hat sich das Warnen bewährt, weil die Auflastung ein legitimer Weg ist.

Was ist mit Sonderwünschen, die es beim Hersteller nicht gibt?

Die gehören als eigene Positionen ins System, mit Ihren Preisen. Anbauten, die Sie selbst montieren, Zubehör aus Ihrem Lager oder Serviceleistungen lassen sich dem Konfigurator hinzufügen, auch wenn sie in keiner Herstellerliste stehen. Genau darin liegt ein Vorteil des eigenen Konfigurators.

Wie lange bleibt eine gespeicherte Konfiguration gültig?

Technisch so lange, wie Sie es festlegen. Inhaltlich gilt sie bis zur nächsten Preisänderung des Herstellers. Sinnvoll ist deshalb, gespeicherte Konfigurationen beim Wiederaufruf gegen die aktuellen Preise zu rechnen und den Kunden darauf hinzuweisen, statt einen veralteten Betrag stehen zu lassen.

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